23.07.2018

Expertenumfrage Corporate & Startups

Immer mehr Corporates suchen die Nähe, bzw. die Zusammenarbeit mit Start-ups. Ein nachhaltiger Trend oder nur eine Momentaufnahme? Ein Experteninterview mit Startup Experte und Entrepreneur, Thomas Offner.

Immer mehr Corporates suchen die Nähe, bzw. die Zusammenarbeit mit Start-ups. Ein nachhaltiger Trend oder nur eine Momentaufnahme?

Ein absolut nachhaltiger Trend. Vor allem wenn man sich in den USA umsieht. Hier ist die Zusammenarbeit zwischen Corporates und Startups gang und gäbe. Corporates nutzen dabei Startups schon seit geraumer Zeit als verlängerte Werkbank im Bereich R&D, als Zugang zu Innovationen und als Teil der Umsetzung ihrer Digitalstrategie.
In Europa stehen wir hier noch ganz am Anfang und diese Zusammenarbeit wird sich in Zukunft m.E. auch noch intensivieren.

Warum ist es für Mittelständler und Konzerne so wichtig, nah an der deutschen Start-up-Szene dran zu sein?

Innovationen entstehen, ich würde fast sagen, passieren in kleinen Strukturen, d.h. im Zweifel nicht in großen Konzernen und auch nicht in mittelständischen Unternehmen, wo es neben fehlenden Strukturen im Zweifel auch kein mittleres Management gibt, das sich solcher Themen annehmen könnte.

Startups können durch ihre immense Innovationsfähigkeit diese fehlenden nachhaltigen Entwicklungen teilweise kompensieren. Deswegen ist der Zugang für Mittelständler und Konzerne notwendig, wenn nicht sogar überlebensnotwendig.

Sehen Sie die Motivation der Konzerne in erster Linie als strategisch an oder stehen Finanzinvestments im Vordergrund?

Die Zusammenarbeit mit Startups ist überwiegend strategisch motiviert. Das Ziel ist ja, Zugang zu Innovationen, zu neuen digitalen Produkten, Technologien und Arbeitsweisen zu bekommen bzw. die IP aus dem Startup in das Unternehmen zu transferieren (und ggf. auch wieder in das Startup zurück). Sich am Startup zu beteiligen, weil man hier überdurchschnittliche Renditen sucht, sollte – abgesehen davon, dass aus Renditesicht der Mittelstand kein besonders erfolgreicher Investor ist – daher auch nicht im Vordergrund stehen.

Eigene VC-Einheit, Investments aus der Bilanz oder Inkubatoren/Acceleratoren. Welches Modell eignet sich für welche Ziele besonders?

Dazu sollte man sich als Unternehmen erst einmal fragen, was ist meine (Investitions-)Strategie? Welche Ziele will ich in der Zusammenarbeit mit Startups erreichen? In welcher Phase will ich investieren bzw. mit Startups zusammenarbeiten? Erst wenn man die Antworten auf diese Fragen hat, kann man sich für das geeignete Modell entscheiden.

Idealerweise hat ein Corporate alle Angebot – von einem Inkubator über einen Accelerator bis hin zu einer CVC-Unit, wo eine Einheit der nächsten den Dealflow weiterleitet.

Um Ideen schnell und mit geringem Kapitaleinsatz unter Realbedingungen zu testen, eignet sich vorwiegend ein Inkubator.

Einen Accelerator empfehlen wir, wenn man, ebenso mit geringem Kapitaleinsatz, großflächig in junge Unternehmen investieren möchte, bzw. mit einer Vielzahl an Unternehmen auf Basis von breit definierten Suchfeldern zusammenarbeiten möchte.

CVC Units sollten installiert werden, wenn man nachhaltig in Startups investieren möchte. Wichtig dabei ist, schon gut im jeweiligen Startup Ökosystem verankert zu sein, um den Dealflow in angemessener Qualität und Quantität zu bekommen – der wichtigste Erfolgsfaktor für so ein Programm.

Man darf nicht vergessen, Corporates und Startups verhalten sich wie Öl und Wasser; es mischt sich schnell, separiert sich aber auch genauso schnell wieder und die Zusammenarbeit zwischen diesen beiden unterschiedlichen Entitäten mit unterschiedlichsten Strukturen, Prozesse und Kulturen ist alles andere als trivial. Letztendlich sollte sich daher für den Mittelstand die Frage stellen, ob man so ein Programm selbst betreibt oder sich einen Profi holt, der solche Formate schon mehrmals erfolgreich aufgebaut und betrieben hat.

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