03.07.2018

Digital Incubator – Die optimalen Bedingungen für innovative Ideen

Auf der Suche nach Innovationen und in der Hoffnung, die Digitalisierung nicht zu verschlafen, setzen zunehmend mehr mittelständische Unternehmen auf Inkubatoren, um neue Denkanstöße und Geschäftsmodelle zu erarbeiten.

“Deutschland, ein Land der Ideen, das ist nach meiner Vorstellung, Neugier und Experimentieren. Das ist in allen Lebensbereichen Mut, Kreativität, Lust auf Neues ohne Altes und Alte auszugrenzen. Das sind neue Gründerjahre, das ist auch die Kraft, mit Rückschlägen umzugehen und wieder neu anzufangen.” (Horst Köhler, 2004 vor dem Deutschen Bundestag)

 

Mit dieser Aussage prägte Horst Köhler einst in seiner Antrittsrede im Bundestag seine Vorstellung von Deutschland und von der Entwicklung deutscher Unternehmen. Insbesondere die Digitalisierung erfordert ebenjene angesprochenen Fähigkeiten und Werte. Der Mut, die Kreativität und die Lust auf Neues sind entscheidende Faktoren, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig und damit erfolgreich zu sein. Auf der Suche nach Innovationen und in der Hoffnung, die Digitalisierung nicht zu verschlafen, setzen zunehmend mehr mittelständische Unternehmen auf Inkubatoren, um neue Denkanstöße und Geschäftsmodelle zu erarbeiten sowie den kulturellen Wandel im Unternehmen voranzutreiben.

 

Inkubatoren – Brutkästen und Spielwiesen

 

Ein Inkubator ist eine Einrichtung, die die Ideenentwicklung und -realisierung von der frühen Phase bis hin zur Gründung in einem geschützten Umfeld unterstützt. Dabei bietet der Inkubator den internen Mitarbeiter eine “Spielwiese”, um ihre Ideen zu verfeinern und Schritt für Schritt neue Erkenntnisse über Kundenbedürfnisse, den Markt, die Umsetzbarkeit und ein potenziell erfolgreiches Geschäftsmodell zu gewinnen. Der Vorteil von Inkubatoren ergibt sich durch die schnelle Iteration von Ideen, indem man schnell lernen, schnell umsetzen und schnell scheitern kann, frei nach dem Motto “Fail fast, fail cheap”. Dadurch werden die Kosten der Innovationen für das jeweilige Unternehmen geringgehalten, während die Chance, wichtige Erkenntnisse zu generieren und neue Chancen zu erschließen, rapide steigt.

Ein Inkubator zeichnet sich demzufolge dadurch aus, dass die internen Potenziale, die in jedem Mitarbeiter schlummern, zur Förderung der Innovationsentwicklung konsequent und strukturiert gehoben werden. Aus diesem Grunde ist es unerlässlich, dass ein Inkubator strukturell und organisatorisch optimal aufgebaut wird.

 

Optimale Ausgestaltung von Inkubatoren

Konzept

Ausgangspunkt eines erfolgreichen Inkubator-Aufbaus ist das Konzept als Grundlage und Leitbild. Zunächst sollte man hierfür eine Vision und eine Mission formulieren, denn sie spiegeln den Sinn und Zweck eines Inkubators wider. In diesem Sinne muss das Unternehmen die Ziele des Inkubators definieren, einen Teil der Unternehmensstrategie werden lassen und dafür sorgen, dass der Inkubator die Unterstützung des Managements erhält. Ebenso sollte an dieser Stelle der Kernprozess und die dazugehörigen Leistungsbestandteile des Inkubators definiert werden, denen Mitarbeiter und Teilnehmer eines Inkubators folgen sollten. Im Zentrum eines jeden Inkubators steht die Ideengenerierung und -weiterentwicklung in interdisziplinären Teams, weshalb mit einer Ideation-Phase begonnen werden sollte. Die Ideenfindung kann dabei von einer Recherche-Phase begleitet werden, um Potenziale am Markt und durch aufstrebende Technologien zu identifizieren. Mithilfe anerkannter Design Thinking-
Methoden lassen sich innovative Ideen bis hin zu initialen Geschäftsmodellen schnell weiter-
entwickeln und notfalls verwerfen. In der nachfolgenden Experiment-Phase sollte dann ein erster Prototyp gebaut werden, um das Geschäftsmodell mit Kunden zu erproben und immer eng an deren Bedürfnissen weiterzuentwickeln. In Verbindung mit dem Testen der Ideen und der Prototypen sollte initial bereits das Marktpotenzial eingeschätzt werden und ein tiefer-
gehender Business Case ausgearbeitet werden. Sollte sich anhand des Kundenfeedbacks und des Marktpotenzials eine weitergehende Investition in die Idee lohnen, kann im letzten Schritt mit der konkreten Umsetzung begonnen und eine Go-to-Market-Strategie aufgestellt werden.

 

Betriebsmodell

In Anschluss an das Konzept sollte man zur optimalen Ausgestaltung des Inkubators das Betriebsmodell für die Ablauforganisation sowie die Aufbauorganisation des Inkubators inklusive aller relevanten Rollen, Verantwortlichkeiten und Strukturen definieren. Im Fokus steht dabei die Ausarbeitung von Prozessen und korrespondierenden Aktivitäten entlang der Phasen, die von den Inkubator Mitarbeiter und anderen Stakeholder vollzogen werden, um die Inkubation erfolgreich durchführen zu können. Dementsprechend muss das Unternehmen einen Programmablauf mit Workshops zur Ideenfindung und -weiterentwicklung, Coaching und Mentoring der Teilnehmer beim Experimentieren sowie Demo- & Pitch-Veranstaltungen entwerfen und diesen Ablauf auf Aktivitätenebene im Vorfeld planen. Im Zuge dessen sollten ebenfalls konkrete Meilensteine und Entscheidungskriterien anhand bestimmter Kennzahlen erarbeitet werden, um über den Fortgang der Ideen zu entscheiden. Der ideale Ablauf erfordert überdies die Bestimmung konkreter Rollen und Verantwortlichkeiten im Inkubator. Zunächst ist es wichtig, dass das Unternehmen ein Kreativität förderndes Umfeld schafft und hierfür ein Team aus hochklassigen Mentoren und Organisatoren zusammenstellt, um den Teilnehmern Beratung und Schulungen zu geben. Das Mentoring wird oft gepaart mit der Bereitstellung von finanziellen Mitteln, moderner Unternehmensinfrastruktur und Büroflächen sowie dem Zugriff auf das Know-How interner Experten, weshalb zumindest ein Inkubator Mitarbeiter in der Stammorganisation gut vernetzt sein sollte. Mit dem Fortschreiten der Ideen reicht das Mentoring innerhalb des Inkubators unter Umständen nicht mehr aus, weswegen ein früh-
zeitiger Aufbau eines Partnernetzwerkes mit bestehenden und potenziellen Kontakten aus der Start-up-Szene und der universitären Lehre sich als sehr förderlich erweisen kann. Außerdem müssen die notwendigen strukturellen Rahmenbedingungen geschaffen werden, sodass die Teilnehmer neben der kreativen Umgebung über die notwendigen IT-Tools und Kollaborations-
werkzeugen verfügen können. Zuletzt sollten im Betriebsmodell auch die Erfolgskennzahlen für den Inkubator selbst und die Berichtsstrukturen an die verantwortlichen Stellen festgelegt werden, damit auch in diesem Kontext der wirtschaftliche Bezug nicht verloren geht.

 

Playbook

Das Inkubator Playbook wiederum dient den Mitarbeitern des Inkubators als Betriebsanleitung und methodischen Handbuch, um den Inkubationsprozess entlang der jeweiligen Phasen des Konzepts durchführen zu können. Hierfür sollten relevante Methoden, Templates und Empfehlungen zur Identifizierung, Entwicklung und Validierung von Geschäftsmodell-Ideen den Design Thinking und Lean Startup-Ansätzen folgend für Außenstehende verständlich und leicht umsetzbar erklärt werden. Die methodischen Grundlagen fokussieren sich dabei auf die Identifikation und Lösung von Kundenproblemen als Ausgangspunkt für die Entwicklung von Geschäftsmodellen und Prototypen zum Experimentieren.

 

Kommunikationskonzept

Zuletzt ist es für den Erfolg des Inkubators entscheidend, dass neben der Geschäftsführung auch die internen Mitarbeiter mit ins Boot geholt werden, weshalb ein Konzept zur unternehmens-
weiten Kommunikation und zur Vermarktung des Inkubators notwendig ist. Nur so ist es möglich, innovative Mitarbeiter zu identifizieren und durch die richtigen Anreize zu ermutigen, ihre Ideen innerhalb des Inkubator-Modells zu entwickeln.

 

Inkubatoren können ein wichtiges Element in den Zukunftsstrategien von Firmen darstellen und schaffen bei erfolgreicher Umsetzung ein innovatives Arbeitsumfeld, um eine erfolgreiche Zukunft zu gestalten.

Ihr Kommentar