20.04.2018

Die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Mobilitätsindustrie und was dies für Kunden und Unternehmen bedeutet

Wenn man sich mit dem Thema Mobilität (insbesondere dem Personentransport) beschäftigt, wird gerne das Beispiel von Uber zitiert, welches mit seinem Plattform-Geschäftsmodell die Taxi-Industrie in den letzten Jahren wachgerüttelt und von Grund auf verändert hat.

Tatsächlich ist der US-basierte Ride Hailing Dienst aber nur eins von vielen Beispielen die zeigen, welche massiven technologischen und kulturellen Veränderungen die Digitalisierung für die Mobilität von Personen und Gütern mit sich bringt.

Lang etablierte Unternehmen, von OEMs bis zum öffentlichen Sektor, sehen sich heute mit einer Welle neuer Markteintritte in ihren Branchen konfrontiert und müssen plötzlich Technologiekonzerne wie Google, aber auch zahlreiche Start-ups, zu ihren Wettbewerbern zählen. Gleichzeitig verändert sich auch die Erwartungshaltung der Kunden hinsichtlich Qualität, Verfügbarkeit, Schnelligkeit und Preis. Durch das stetig wachsende Angebot an Alternativen für den Weg von A nach B wird der Wechsel auf ein anderes Verkehrsmittel vergleichsweise einfach gemacht, wodurch der Druck auf die Anbieter zusätzlich steigt. Letztlich haben datengetriebene Geschäftsmodelle auch Auswirkungen auf die klassische Wertschöpfungskette im Unternehmen und erfordern daher den Aufbau neuer Fähigkeiten hinsichtlich Datenmanagement und Analyse.

What’s next?

Langfristig wird sich Mobilität wie wir sie heute kennen, etwa durch die Marktreife autonomer Systeme oder anderer, alternativer Mobilitätsformen (Stichwort: Drohne oder Flugtaxi) noch grundlegender verändern. Kurz- bis mittelfristig ist davon auszugehen, dass sich die Auswirkungen bereits absehbare Trends noch weiter intensivieren und das Bild der zukünftigen Mobilitätslandschaft entsprechend geprägt wird:

–        Mobility as a Service (MaaS)

Uber hat schon lange verstanden, dass sich das Mobilitätsbedürfnis des Kunden nicht auf ein bestimmtes Transportmittel oder einen vordefinierten Zeitpunkt beschränken lässt. Vielmehr muss der Transport von A nach B unter den nutzerdefinierten Kriterien (etwa Preis, Schnelligkeit, Komfort) und für einen ganz bestimmten Zweck erfolgen – ein Bedürfnis, dass durch verschiedenste Mobilitätslösungen bedient werden kann. Der Kunde von morgen ist Nutzer einer multimodalen Wegekette (d.h. er nutzt verschiedene Verkehrsmittel wie Taxi, Öffentliche Verkehrsmittel, Fahrrad oder CarSharing) um an sein Ziel zu kommen. In naher Zukunft wird das Bild durch zusätzliche Sharing Dienste, wie etwa Elektro-Scooter, komplementiert werden. Langfristiger gedacht ist bis zum Flugtaxi alles denkbar.

–        Plattformen

Neben “Blockchain” ist “Plattform” auf dem besten Weg dazu, das Buzzword des Jahres zu werden. Plattform-Geschäftsmodelle sprießen in allen Industrien aus dem Boden und machen auch vor der Mobilität nicht halt. Welche der Lösungen sich am Ende durchsetzen kann ist bisher noch offen, allerdings werden neben der Reichweite (im Sinne von Nutzerzahlen sowie auch geografische Verbreitung) und Verfügbarkeit des Angebotes auch die beste User Experience entscheidende Erfolgsfaktoren sein.

–        Neues Kunden-Interface

Neue Mobilitätsleistungen bedeuten größere Flexibilität für den Nutzer. Gleichzeitig stellt diese Angebotsvielfalt auch neue Herausforderungen an das Nutzer-Interface und die Navigation durch Mobilitätslösungen und –Plattformen. Um den Kunden bestmöglich zu begleiten, werden RoboAdvisors und Chatbots (mittel- bis langfristig gestützt durch Künstliche Intelligenz) ein integraler Bestandteil von MaaS Angeboten sein, um den Kunden individuell vor der Reise beraten, während der Reise zu navigieren und nach der Reise betreuen zu können.

–        Connected Everything

Da Mobilität zusehends vernetzter wird liegt der Gedanke nahe, diese Informationen auch in andere Lebensbereich zu integrieren. Smart Home ist nur einer der Anwendungsfälle, die sich dafür anbieten – so weiß etwa das Smart Home System bereits vor dem Aufstehen, ob heute Bauarbeiten auf der Strecke zur Arbeit stattfinden und kann den Nutzer dementsprechend informieren. Um eine nahtlose Integration zu ermöglichen müssen proaktiv entsprechende Schnittstellen und Standards geschaffen werden.

–        It’s not a journey, it’s an experience!

Ob als Pendler, auf Fern- oder Flugreisen – wer viel Zeit in einem Transportmittel verbringt, will diese Zeit sinnvoll nutzen können. Ein weiterer Ansatzpunkt für Digitalisierung im Mobilitätsbereich ist deswegen das Reiseerlebnis selbst weiter auszugestalten. Denkbare Ansätze reichen von Virtual Reality Welten während Flugreisen bis hin zu Arbeitsbereichen in Fernzügen.

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