31.03.2017

Business Cases im Zeitalter der Digitalisierung – Nicht lange kalkulieren, einfach machen?

Wer dieses Jahr auf der Cebit war, hat es wieder erlebt: Auch in diesem Jahr war die Cebit geprägt durch das allgegenwärtige Thema der „Digitalen Transformation“.

Viel wurde wieder gesprochen zu „Geschäftsmodelltransformation“, „Digitaler Innovation“ und „Digitaler Revolution“. Einige deutsche Unternehmen sind auch schon seit Jahren auf diesen Zug gesprungen und nunmehr – zumindest im deutschen Markt – als Vorreiter unterwegs. Die große Masse an Unternehmen und insbesondere der oftmals zitierte „typische deutsche Mittelständler“ steht dem Thema „Digitalisierung“ nach wie vor jedoch fragend bis kritisch gegenüber und weiß nicht, wie er mit den ganzen neuen Themen umgehen bzw. wo er anfangen soll. Die daraus resultierende Lethargie begründet sich bei den meisten Unternehmen durch das Bestreben nach „Sicherheit“ – und zwar nicht im Sinne von IT- und Datensicherheit, sondern im Sinne einer „Planungssicherheit“. Genau: der deutsche Mittelstand ist „planungsverliebt“ und möchte in der Regel gerne für die nächsten fünf Jahre wissen, was ihn hinsichtlich Ausgaben, Umsatz und Geschäftsrisiken erwartet. In einem stabilen, wenig dynamischen Marktumfeld lässt sich das durch Nutzung von Erfahrungswerten auch grundsätzlich erreichen. Nun leben wir aber im digitalen Zeitalter und das steht eher für Agilität als Stabilität. Insofern stehen viele Unternehmen aktuell vor der Frage, wie sie beispielsweise den Gegenwert von digitalen Services bemessen können. Und diese Frage ist eine ganz zentrale Herausforderung.

Die Kalkulation von Business Cases für digitale Vorhaben führt nur zu quantitativen Scheingenauigkeiten

Bei Digitalisierungsvorhaben ist die Gegenüberstellung von Kosten und Nutzen in Form eines harten Business Cases nur in Ausnahmefällen machbar und sinnvoll. Das liegt ganz offensichtlich daran, dass es bei der Bewertung von Innovationen nur einen sehr geringen Erfahrungsschatz gibt, auf den man als Unternehmen zurückgreifen kann (Die Kalkulation des Markpotenzials für einen Joghurt mit neuer Geschmacksrichtung fällt einem Molkereiunternehmen da schon viel leichter aufgrund jahrzehntelanger Markterfahrung als die Bewertung eines digitalen Geschäftsmodells, dass es Kunden erlaubt, Joghurts per App individuell zusammenzustellen und liefern zu lassen – mymüsli lässt grüßen…).

Es liegt in der Natur der Sache, dass es bei Innovationen nur einen sehr geringen Erfahrungsschatz gibt

Das ist durchaus problematisch, da in vielen Unternehmen eine Investition nach wie vor an einen überzeugenden Business Case gekoppelt ist und starre „Innovationsprozesse“ einen solchen erfordern. Was aber tun, wenn eigentlich klar ist, dass ein Business Case für ein „digitales“ Vorhaben maximal eine Sammlung bestmöglicher Annahmen ist und insgeheim jeder der Beteiligten weiß, dass der tatsächliche Erfolg eines digitalen Geschäftsmodells doch eher „in den Sternen steht“? Eine Antwort ist: einfach machen! Die Erfahrung hat gezeigt, dass zumindest die großen Unternehmen (DAX30 & Co) mehr und mehr dazu übergehen, auf Business Cases für digitale Services gänzlich zu verzichten. Waren bis vor 5 Jahren noch Sätze zu hören wie „Wenn wir nicht innerhalb von 2 Jahren 30% Marktanteil kriegen, lohnt sich das gar nicht“ wird derzeit frei nach dem Motto „Geld spielt keine Rolle“ oftmals eher jede noch so kleine Idee mit Budget unterstützt – aus Angst den digitalen Anschluss zu verpassen. Lediglich die Kosten für die digitalen Ideen werden noch grob kalkuliert (Klar, das Budget muss ja auch irgendwo herkommen und sollte dafür auch beziffert sein).

Was aber sollte nun der kleinere Mittelständler tun, der nicht wie die „großen“ über Budgets in Millionenhöhe verfügt?

Die Antwort: überzeugen durch qualitative Argumente! Genau! Statt der Suggestion von quantitativen Scheingenauigkeiten im Rahmen von komplexen Excel-Kalkulationen ist es ratsamer, die Ressourcen und Energien eher dafür einzusetzen, möglichst überzeugende Argumente für die Umsetzung einer „digitalen“ Idee zu finden. Aber wie geht das am besten? Hier empfiehlt sich die Verwendung möglichst kundenzentrierter Methoden um herauszufinden, ob und wie ein Kunde einen digitalen Service nutzen würde. Was würde der Kunde für den digitalen Service monatlich bezahlen? Was sind die genauen Kundenanforderungen? Welche Kundengruppen sind besonders interessiert?

Prototypen bieten die Möglichkeit, mit begrenzten Mitteln eine solide Basis für die Bewertung einer digitalen Idee zu schaffen

Um hier zu möglichst schnellen Antworten zu kommen sollten bereits kurz nach der „Ideation“ eines digitalen Service kostengünstige Prototypen für z.B. die neue Online-Plattform zum Verleih von Baumaschinen aufgebaut werden. Dies ist nicht teuer, ist relativ schnell gemacht und ermöglicht für alle Beteiligten (z.B. Mitarbeiter, Management & Kunden) eine schnelle Bewertung der Attraktivität der digitalen Idee.

Eine gewisse Risikobereitschaft und ein gewisser Pragmatismus der Unternehmensentscheider vorausgesetzt ist dies die solideste Basis für eine Entscheidung zum weiteren Umgang mit der digitalen Idee. Soll die Idee eins zu eins umgesetzt werden? Sollte es Anpassungen geben vor einem Launch? Ist der Zeitpunkt für einen Launch ggf. zu früh? Soll die Idee vielleicht erst für einen eingeschränkten Kundenkreis ermöglicht werden? All dies lässt sich durch Prototypen in Verbindung mit bspw. Kundeninterviews schnell und belastbar rausfinden.

So kann mit einem iterativen und experimentellen Vorgehen sichergestellt werden, dass keine hohen Investitionen fehlgeleitet werden und keine Zeit und Energie mit der Kalkulation von besagten Scheingenauigkeiten verschwendet wird. Aber auch hier bedarf es kundenindividueller Lösungen. Denn im digitalen Zeitalter gibt es keine Musterlösungen. Und die Erstellung von kostengünstigen Prototypen muss genau wie der Einsatz kundenzentrierter Innovations-Prozesse wie zum Beispiel Design Thinking von den meisten Unternehmen noch „gelernt“ werden. Dies erfordert ein Umdenken der Beteiligten sowie die Bereitschaft, sich auf neue kreative Methoden einzulassen. Ebenso benötigt es eine Fehlerkultur sowie auch den Mut, von Ideen Abstand zu nehmen, die auf den ersten Blick noch vielversprechend aussahen. Die daraus resultierende Flexibilität und Agilität ist es, die Unternehmen schneller werden lässt und so eine ganz zentrale Voraussetzung schafft, um auch als kleineres Unternehmen im digitalen Zeitalter mithalten zu können.

1 Kommentar

  1. Brandi sagt:

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