06.13.2017

Digital Leadership – Wie die Zahnräder aus Führungs- und Organisationsstruktur ineinandergreifen

In Zeiten der Digitalisierung gewinnt vor allem eine innovationsstiftende und mitarbeiterorientierte Unternehmenskultur an Bedeutung.

Lasst mich diesen Blogeintrag mit folgender Aussage beginnen: In Zeiten der Digitalisierung gewinnt vor allem eine innovationsstiftende und mitarbeiterorientierte Unternehmenskultur an Bedeutung.

Warum ich das so sehe, möchte ich folgend erklären. Momentan dreht sich alles um die Themen Artificial Intelligence, Internet of Things, Robotic, Virtual Reality, 3D Druck, Agile Collaboration, Digital Culture, Digital Capabilities und und und. Ich könnte noch unzählige weitere „Buzz-Words“ aufzählen, aber ich lasse es an dieser Stelle gut sein. Ich schreibe bewusst „Buzz-Words“ da dieser Begriff in meinem letzten Kundentermin ein Anstoß für eine interessante Diskussion war. Viele Mittelständische Unternehmen kennen diese Begriffe und wissen auch was dahinter steckt. Und aus meiner Erfahrung zeigt sich, dass die Auseinandersetzung mit solchen zukünftigen Technologien und Veränderungen ein erster Schritt in die richtige Richtung ist. Doch es braucht viel mehr als sich nur gedanklich mit diesem Thema zu befassen. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage was ein Unternehmen auf seinem Weg zu einem digitalen Unternehmen verändern muss – allein seine technische Infrastruktur oder seine Mitarbeiter? Genau mit dieser Frage endete mein oben genannter Kundentermin – Ein Denkanstoß, der den Stein ins Rollen gebracht hat.

Digital Leadership

Digitalisierung darf nicht nur mit der technischen Brille betrachtet werden. Die digitale Revolution war vor über 15 Jahren der Startschuss für eine nachhaltige Veränderung auf die Arbeitswelt und die Kultur. Um als Unternehmen mit den neuen Innovationen mithalten zu können, muss sich auch die Führungskultur verändern. Aber reicht es aus, als moderne Führungskraft ohne Krawatte und mit dem Longboard zur Arbeit zu fahren?

In einer neuen Arbeitswelt, nennen wir sie Arbeitswelt 4.0, verändern sich zunehmend die Grundprinzipien der Managementtheorien. Wissen wird zu einem Differenzierungsmerkmal, das abteilungs-, bereichsübergreifend und global geteilt, weiterentwickelt und ergänzt werden muss. Modernen Führungskräften muss es gelingen, kollektive Intelligenz jederzeit nutzbar zu machen, eine offene Fehlerkultur zuzulassen und Raum für Kreativität und Innovation zu schaffen. Es braucht Mitarbeiter die Ihre eigenen Ideen einbringen, aktiv mitgestalten und entscheiden. Dies benötigt sicherlich Inspiration, Motivation und Freiraum. Ein Paradebeispiel für das Fördern der Kreativität ist die von unserem Vorgesetzten eingeführte „Denkzeit“. Diese Zeit kann jedes Teammitglied individuelle nutzen, um beispielsweise einen Blogeintrag wie diesen hier zu schreiben. Die Digitalisierung schafft hierbei eine Plattform, die es ermöglicht eine Führungskultur zu etablieren, welche sich weg von der Hierarchie hin zu mehr Kooperation und Zusammenarbeit verändert. Die Führungskraft fungiert als Macher, als Umsetzer und Innovator, der im ersten Schritt auch sein eigenes Handeln überprüfen und gegebenenfalls neu justieren muss. Solch eine Neujustierung an der eigenen Person ist nur ein Teil des großen Ganzen. Das große Ganze, sprich das Unternehmen respektive die Organisation, ist gefordert seine Strukturen zu überdenken. Nur so kann es in Zukunft agil und flexibel auf Veränderungen am Markt reagieren. Genau an dieser Stelle greift das Zahnrad aus Führungs- und Organisationsstrukturen ineinander. Eine Organisation muss soweit agil aufgestellt sein, dass sich neue Führungsstrukturen etablieren, Abteilungssilos aufgebrochen werden und kollaborative Netzwerke entstehen können. Veränderte Formen der Zusammenarbeit funktionieren nur dann, wenn die klassische Hierarchiestruktur hinterfragt und neu definiert wird.

Herausforderungen für Mittelständische Unternehmen

Vor allem bei Mittelständischen Unternehmen ist das Hinterfragen und Neudefinieren der Hierarchiestruktur eine der größten Herausforderungen. Und dabei geht es nicht nur um formale Reportingprozesse und starre Strukturen, sondern um kulturelle Themen. Stellen Sie sich vor der Geschäftsführer kommt Ihnen mit Sneakers entgegen, das Top-Management gibt ihre erste Reihe auf dem firmeneigenen Parkplatz für jeden Mitarbeiter frei und der Auszubildende sitzt zusammen mit dem Vorstand in der Kaffeebar an einem Tisch oder spielt in der Mittagspause eine Runde Kicker. Solche Veränderungen müssen vom Top-Management vorgelebt und umgesetzt werden. Das dies nicht leicht ist liegt auf der Hand. Welche gestandene mittelständische Führungskraft möchte schon seine Autonomie, Eigenverantwortung und schlussendlich seine Macht abgeben. Das mag auf den ersten Blick eher negativ klingen und wenig erfolgversprechend, doch genau das Gegenteil ist hierbei der Fall. Durch die Abgabe der Verantwortung an die Mitarbeiter werden die Loyalität und das Vertrauen gestärkt. Die zentrale Veränderung von Führung durch die Digitalisierung zeigt sich nicht nur in der Abgabe von Macht und Demokratisierung, sondern auch an der erhöhten Kompetenzanforderung wie Agilität, Veränderungsmanagement und schlussendlich Führung auf Distanz. Die Führungskraft muss als Coach und Enabler fungieren, der für die fachliche als auch persönliche Entwicklung seiner Mitarbeiter verantwortlich ist. Durch eine verstärkte Zusammenarbeit in Teamstrukturen, die es erlauben bereichsübergreifend und global zusammenzuarbeiten, wird es für Führungskräfte immer notwendiger proaktiv in Teambuildingmaßnahmen zu investieren und kollaborative Strukturen zwischen ihren Mitarbeitern zu schaffen.
In Anbetracht der in diesem Blogeintrag angerissenen Themen, wird hoffentlich deutlich, dass die Digitalisierung einen Veränderungsprozess darstellt, der Mitarbeiter genauso fordert wie Führungskräfte. Ein Transformationsprozess muss in diesem Zusammenhang neben den technologischen Aspekten auch die Organisation, die Kultur und die Mitarbeiter umfassen. Somit gewinnt, wie zu Beginn des Blog-Posts erwähnt, eine mitarbeiterorientierte Führungs- und Unternehmenskultur zunehmend an Wichtigkeit.

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